Pressemitteilung | 100 JAHRE LOUIS ARMSTRONG HOT FIVE | 9.12.25

Jubiläumskonzert: JAZZ FÜR ALLE e.V. und Martin Auer‘s South West Oldtime All Stars erinnern an 100 Jahre Louis Armstrong Hot Five – PRESSEMITTEILUNG Download PDF KLICK

Berlin, 12.11.2025

„Gut Bucket Blues“ – Jubiläumskonzert: JAZZ FÜR ALLE e.V. und Martin Auer‘s South West Oldtime All Stars erinnern an 100 Jahre Louis Armstrong Hot Five.

Am 12. November jährt sich ein historisches Ereignis: Am selben Tag im Jahr 1925 betrat ein junger Trompeter aus New Orleans, der bald Weltruhm erwerben sollte, zusammen mit seiner Frau und Pianistin und drei etwas älteren, ebenfalls aus New Orleans stammenden Mitmusikern ein Tonstudio in Chicago und nahm für das Schallplattenlabel Okeh drei Eigenkompositionen auf:
„My Heart“,
„Yes! I’m In The Barrel“ und den
„Gut Bucket Blues“.
Diese bildeten den Auftakt der bedeutsamen Aufnahmeserie einer der wichtigsten und einflussreichsten Jazz-Bands aller Zeiten:
Der Louis Armstrong Hot Five und Hot Seven (November 1925 – Dezember 1928). Mit der Hot Five (und später der Hot Seven) schuf Louis Armstrong (1901-1971) das moderne Jazz-Solo und löste sich aus den Konventionen und musikalischen Strukturen des weitgehend kollektiv-improvisierenden alten New Orleans Jazz. Und ganz nebenbei legte er hierbei auch den Grundstein für den Jazzgesang und „erfand“ (mit den Titeln „Heebie Jeebies“ und „Skid-Dat-De-Dat“) als Sonderform den Scat-Gesang.

Auch der Beitrag seiner Frau, Lil Hardin Armstrong (1898-1971), zu dieser Reihe ist bemerkenswert: Sie spielte nicht nur als erste relevante weibliche Jazzsolistin das Klavier, sondern komponierte und arrangierte, zudem managte sie – ein völliges Novum zu damaliger Zeit – ihren Mann in seiner noch jungen Karriere; auf ihre Verhandlungen mit der Schallplattenfirma geht das Zustandekommen der Hot Five und Hot Seven – die mit Ausnahme eines einzigen öffentlichen Auftritts als reine Studioband wirkten – zurück.

Die drei weiteren Musiker der Hot Five – Klarinettist Johnny Dodds (1892-1940), Posaunist Kid Ory (1886-1973) sowie Johnny St.Cyr (1890-1966) an Banjo & Gitarre – gelten ebenso als Jazzlegenden und Mitbegründer der Tradition ihres Instruments im alten Jazz.
Bis heute gelten die besten Titel dieser Reihe als unerreichte Glanzpunkte der Jazzgeschichte: Jazzhistoriker Gunther Schuller schrieb zum berühmtesten Meisterwerk dieser Reihe, dem „West End Blues“ von 1928, Armstrong habe hiermit „die Vergangenheit zusammengefasst und die Zukunft vorausgesagt“ und die stilistische Richtung des Jazz für Jahrzehnte festgelegt. Der US-amerikanische Jazzautor Gary Giddins bezeichnete die Aufnahmen der Hot Five und Hot Seven als „das einflussreichste Aufnahme-Projekt des Jazz, vielleicht der ganzen amerikanischen Musik“
– und der deutsche Jazzkritiker Dietrich Schulz-Köhn schlicht als „das Alte Testament des Jazz“.

Hieran erinnert JAZZ FÜR ALLE e.V. in seiner Veranstaltungsreihe JAZZ & TALK am Dienstag, 09.12.2025 ab 19.00 Uhr im Preußischen Landwirtshaus in der Flatowallee 23 am S-Bahnhof Olympiastadion.
Wie immer in diesem Format wird es seitens des Vereins einen jazzhistorischen JAZZ FÜR ALLE e.V. Einführungsvortrag geben, diesmal verbunden mit einem Grußwort per Web vom international führenden Armstrong-Experten Ricky Riccardi, Director of Research Collections am Louis Armstrong House Museum in Corona, New York, der in diesem Frühjahr mit der Veröffentlichung seines Buches über die frühen Jahre Louis Armstrongs („Stomp Off, Let’s Go“, Oxford University Press 2025) seine Armstrong-Trilogie vollendet hat.

„Main Act“ des Abends ist das sich anschließende Konzert der South West Oldtime All Stars (SWOAS) um den in Berlin-Kreuzberg lebenden Martin Auer. Auer gilt als einer der führenden zeitgenössischen Jazztrompeter des Landes, der seit vielen Jahren aktiv ist und in unterschiedlichen Stilrichtungen – Jazz bis Pop – mit international Größen gespielt hat – von Pat Metheny und Albert Mangelsdorff bis Clark Terry, von Katja Ebstein und Howard Carpendale bis zu Nina Hagen und Cindy Lauper, ebenso mit Götz Alsmann und Till Brönner, neben vielen weiteren.

Als festes Mitglied der SWR Bigband darf er sich seit 2023 Grammy-Preisträger nennen. Zugleich ist er Professor für Jazztrompete an der Musikhochschule in Leipzig. Mit den aus dem Südwesten des Landes stammenden SWOAS lässt er seit 2018 unter anderem die Musik der Hot5 & Hot7 neu erklingen (u.a. auf mittlerweile drei hierzu veröffentlichten Alben).

An diesem Abend spielen sie aus historischem Anlass ein ganz besonderes Jubiläums- und Erinnerungsprogramm „100 Jahre Louis Armstrong Hot Five & Hot Seven“.

Die Besetzung an diesem Abend: Martin Auer (trumpet, arrangements), Felix Fromm (trombone), Patrick Braun (clarinet), Dave Ryan O’Holliday (banjo), Matthew ‘le Chat’ Bookert (sousaphone), François Perdriau (drums)

„Als Veranstalter freuen wir uns, mit diesem Konzert im Rahmen unserer JAZZ & TALK Veranstaltungsreihe das 100jährige Jubiläum der Armstrong Hot Five aufgreifen zu können. Gerade mit unserem Doppelformat, bestehend aus kulturhistorischer Einführung und Live-Konzert, hoffen wir, unterschiedliche Jazz-Stile und Hintergrundinformationen auch neuen Hörerkreisen vermitteln zu können,“ betont Sebastian Claudius Semler, ehrenamtlicher Vorsitzender von Jazz für Alle e.V..

Co-Organisator Uwe Dohnt, zweiter Vorsitzender des Vereins, Saxophonist und Instrumentallehrer an der Leo-Kestenberg-Musikschule Tempelhof-Schöneberg, erläutert: „In unserer Veranstaltungsreihe präsentieren wir unterschiedliche Stilrichtungen, Epochen und Instrumentalgenres im Jazz, und es ist wirklich erstaunlich, welch hervorragende Musikerinnen und Musiker sowohl aus unserer Stadt wie auch überregionaler Herkunft wir hier auf die Bühne bekommen. Wir haben durchgängig sehr besondere und qualitativ hochwertige Konzerte im Programm und freuen uns, damit an diesem Standort die rund 30jährige Tradition der Veranstaltungen des „JazzSpinner“-Kreises fortsetzen und weiterentwickeln zu können.“

Viele der eigens zusammengestellten Programme mitsamt dem Einführungsvortrag bzw. ̶gespräch seien eigentlich zu schade, nur einmal aufgeführt zu werden: „Wir suchen noch eine zweite geeignete Musikbühne, in der wir dieses Format anbieten können. Bühnen- und Präsentationstechnik sowie ein interessiertes Publikum im Einzugsgebiet wären wichtig,“ führt Semler weiter aus.

„Interessenten mögen sich sehr gerne bei uns melden.“
(Fotos von JAZZ & TALK Veranstaltungen sind frei erhältlich bei Jazz für Alle e.V., ©S.C.Semler, bitte per E-Mail anfordern. Fotos zur aktuellen Veranstaltung werden im Nachgang interessierten Medienvertretern gerne zur Verfügung gestellt.)

JAZZ & TALK: Die JAZZ & TALK Veranstaltungen des Jazz für Alle e.V. finden seit September 2023 i.d.R. jeden ersten Dienstag im Monat ab 19 Uhr im Preußischen Landwirtshaus am Olympiastadion (Flatowallee 23, 14055 Berlin-Neuwestend) statt (Ausnahmen bei Feiertagen, Ferien, Veranstaltungen in Olympiastadion / Waldbühne).
Sie knüpfen als offiziell eingetragener Verein an die früher privat im kleineren Kreise gehaltene Veranstaltungstradition der sogenannten „JazzSpinner“ an gleicher Stelle (1988-2023) an – stets mit einem Doppelprogramm:
Vor einem speziellen Live-Jazz-Programm, das man nicht jeden Tag in einer Spielstätte der Stadt hört, steht ein jazzhistorischer Einführungsvortrag, ein Interview, eine Buchvorstellung/Lesung oder ein Gespräch zum Thema des jeweiligen Abends. Aktuelle Informationen sind stets über die Webseite von Jazz für Alle e.V. (www.jazzfueralle.de) zu finden.

JAZZ FÜR ALLE e.V. besteht seit 1989, ist damit der älteste kontinuierlich in eigener Rechtsform aktive Jazzverein Berlins, und organisiert unterschiedliche Jazzveranstaltungen (u.a. das Berliner HOT JAZZ FESTIVAL im Britzer Garten, JAZZ & TALK im Preußischen Landwirtshaus, eine Konzert-reihe im Jazzclub Schlot mit Nachwuchsgruppen, unterschiedliche Jam Sessions).

Der Name des Vereins geht zurück auf die in früheren Jahrzehnten (1958-1988) populäre Jazz-Radiosendung „Club 18 – Jazz für alle“ von John Hendrik im RIAS.